Am 6. Mai 2026 fand der 5. Energiestammtisch der Energienachbarschaft Walstedde eG statt. Als Referent begrüßten wir Herrn Constantin Krass (Stadtwerke Ostmünsterland), der spannende Einblicke in aktuelle Entwicklungen rund um Wärmenetze und kommunale Wärmeversorgung gab.
Wärmenetze als wichtiger Baustein der Energiewende
Zu Beginn stellte Herr Krass die Stadtwerke Ostmünsterland sowie mehrere laufende Wärmeprojekte in der Region vor. Präsentiert wurden unter anderem:
- die Wärmeversorgung „Telgte Süd“
- das Projekt „Weitkamp II“ in Oelde
- die Wärmeversorgung am Mondscheinweg in Drensteinfurt
- das Projekt „Neue Mitte“ in Ostbevern, bei dem ein Wärmenetz in einem bestehenden Wohngebiet umgesetzt wird
Darüber hinaus erläuterte Herr Krass die Bedeutung der kommunalen Wärmeplanung und die grundlegenden Anforderungen bei der Planung von Wärmenetzen.

Was ist Nahwärme?
Wirtschaftlichkeit entscheidet über die Umsetzung
Ein zentrales Thema des Abends war die Wirtschaftlichkeit von Wärmenetzen. Dabei wurde deutlich, dass die Anschlussquote der Haushalte entscheidend für die Kostenstruktur ist – ein klassisches „Henne-Ei-Prinzip“. Je mehr Gebäude angeschlossen werden, desto wirtschaftlicher lässt sich ein Wärmenetz betreiben.
Am Beispiel des Projekts Oelde-Lette wurde erklärt, dass eine Anschlussquote von unter 60 % häufig nicht ausreicht, um ein Wärmenetz wirtschaftlich umzusetzen. Auch die sogenannte Wärmebelegungsdichte spielt eine wichtige Rolle. Optimal sind Werte ab etwa 1.500 Kilowattstunden pro Meter Netzlänge und Jahr.
Ein weiterer wichtiger Punkt waren die Fördermöglichkeiten für Hausübergabestationen. Beim Austausch fossiler Heizungen können hier Förderungen von bis zu 70 % möglich sein, wobei die Grundförderung aktuell bei 30 % liegt.
Außerdem wurden Themen wie Vorverträge, Wärmelieferverträge und mögliche Preisanpassungen diskutiert.

Preisbeispiel Oelde-Lette
Steigende Kosten fossiler Energien
Im Vortrag wurde zudem die Entwicklung der Gaspreise zwischen 2015 und 2025 betrachtet. Dabei zeigte sich, dass insbesondere steigende Netzentgelte bei sinkender Zahl von Gasanschlüssen sowie höhere CO₂-Zertifikatspreise künftig zu deutlichen Mehrkosten führen werden. Laut vorgestellten Berechnungen ist zwischen 2024 und 2028 mit einer Preissteigerung von rund 51 % zu rechnen.
Ergänzend wurde ein Vollkostenvergleich nach Angaben des BDEW vorgestellt, der verschiedene Wärmeversorgungsarten gegenüberstellt.

Gaspreise 2015-2025

Voraussichtliche Gaspreisentwicklung
Aktueller Stand des Wärmeprojekts in Walstedde
Im anschließenden Austausch ging es auch um den aktuellen Stand des geplanten Wärmeversorgungsprojekts der Energienachbarschaft Walstedde.
Für die angestrebte BEW-Förderung ist zunächst eine Machbarkeitsstudie erforderlich. Entsprechende Angebote wurden bereits eingeholt. Für die Erstellung der Studie wird derzeit ein Zeitraum von etwa acht bis zwölf Monaten erwartet.
Darüber hinaus besteht bereits eine schriftliche Absichtserklärung mit Biogasbetreibern. Fragen zur konkreten Preisgestaltung und zur erforderlichen Anschlussquote sind aktuell jedoch noch nicht abschließend geklärt. Für die Umsetzung des Projekts wird momentan mit einem Zeitraum von etwa drei bis fünf Jahren gerechnet.
Auch technische Fragen zur Hausübergabestation eines Wärmenetzes – etwa zu Größe und Leistungsklassen – wurden im Rahmen der Diskussion besprochen.
Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für das große Interesse und die angeregte Diskussion sowie bei unserem Referenten Herrn Constantin Krass für die spannenden Einblicke in die kommunale Wärmeversorgung der Region.

Technik von Hausübergabestationen
