Beim 4. Energiestammtisch stand ein Thema im Mittelpunkt, das in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen hat: Balkonkraftwerke.

Für alle diejenigen, die nicht dabei sein konnten, haben wir hier die Veranstaltung in einem kurzen Bericht zusammengefasst:

Am 11. Februar 2026 fand im Pfarrheim Walstedde der vierte Energiestammtisch der Energienachbarschaft Walstedde eG statt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Jens Ordelheide. Als Referent berichtete Ryck Purschke aus seiner eigenen Praxis mit einem Balkonkraftwerk.

Definition

Zu Beginn stellte er die grundlegenden Rahmenbedingungen eines Balkonkraftwerks vor. Dabei handelt es sich um eine kleine Photovoltaikanlage mit maximal 2000 Watt Peak Modulleistung und bis zu 800 Watt Wechselstromleistung, die direkt in das Hausstromnetz einspeist. Pro Stromzähler ist derzeit ein Balkonkraftwerk erlaubt.

Motivation, Aufbau und Kosten

Der Referent berichtete, dass ihn vor allem der Kauf eines Eigenheims sowie die stark steigenden Strompreise in den Jahren 2021 und 2022 dazu motiviert haben, selbst aktiv zu werden. Seine Anlage startete im September 2022 mit zwei Solarmodulen à 380 Watt sowie einem Wechselrichter. Die Module sind auf einer südlich ausgerichteten Dachfläche mit etwa 38 Grad Neigung montiert und werden nicht verschattet – gute Voraussetzungen für eine hohe Stromproduktion. Die Gesamtkosten für Module, Wechselrichter und Unterkonstruktion lagen bei etwa 1.500 Euro. Die Montage erfolgte zu zweit innerhalb von zwei Tagen.

Erträge und Einsparungen

Bereits im ersten Jahr zeigte sich das Potenzial der Anlage: Von September bis Dezember 2022 wurden bereits etwa 160 kWh erzeugt. Im Jahr 2023 produzierte das Balkonkraftwerk insgesamt 845 kWh Strom, wovon 132 kWh eingespeist wurden. Um auch die Abendsonne besser zu nutzen, erweiterte der Referent seine Anlage im Juli 2024 um zwei zusätzliche 440-Watt-Module auf der Westseite. Diese Erweiterung kostete etwa 200 Euro.

Seit der Inbetriebnahme hat Ryck Purschke außerdem verschiedene technische Ergänzungen umgesetzt, darunter Auswertungstools und die Integration in sein Smarthome-System. Insgesamt hat seine Anlage in rund dreieinhalb Jahren etwa 3360 kWh Strom erzeugt, davon rund 12 Prozent Einspeisung ins Netz. Bei einem angenommenen Strompreis von 0,33 Euro pro kWh entspricht dies bislang einem finanziellen Vorteil von rund 979 Euro. Daraus ergibt sich eine voraussichtliche Amortisationszeit von etwa sechs bis sieben Jahren.

Bewertung

In seiner abschließenden Bewertung hob der Referent mehrere Vorteile von Balkonkraftwerken hervor: Sie sind vergleichsweise einfach zu installieren, verursachen überschaubare Anschaffungskosten und können Stromkosten spürbar reduzieren. Zudem bieten sie auch Mieterinnen und Mietern eine Möglichkeit, aktiv an der Energiewende teilzunehmen und erneuerbare Energie zu nutzen. Gleichzeitig verwies er auf einige Einschränkungen, etwa die begrenzte Leistung, die Abhängigkeit von Standort und Verbrauchsprofil sowie die derzeit geringe oder fehlende Vergütung für eingespeisten Strom.

Fazit und Diskussion

Als Fazit hielt der Referent fest, dass sich ein Balkonkraftwerk insbesondere dann lohnt, wenn tagsüber ein höherer Stromverbrauch im Haushalt vorhanden ist – denn je größer der Eigenverbrauch, desto größer ist auch der wirtschaftliche Nutzen. Ebenso spielen verfügbare Flächen, Ausrichtung und Sonneneinstrahlung eine wichtige Rolle. Ein Balkonkraftwerk könne zwar keine größere Photovoltaikanlage ersetzen, sei aber eine sinnvolle Ergänzung. Unter passenden Bedingungen sei die Technik sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch attraktiv. Gleichzeitig gebe es noch wenig Langzeiterfahrung, insbesondere hinsichtlich der Lebensdauer der Wechselrichter, und auch die Gesamtersparnis über die gesamte Lebensdauer der Anlage lasse sich nur schwer exakt prognostizieren.

Auch rechtliche und technische Aspekte wurden angesprochen, insbesondere die geltenden Leistungsgrenzen sowie die verpflichtende Anmeldung im Marktstammdatenregister. Die große Nachfrage nach dieser Technik zeigt sich auch bundesweit: Mitte 2025 waren bereits mehr als eine Million Balkonkraftwerke offiziell registriert.

Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, in der zahlreiche Fragen zu Technik, Wirtschaftlichkeit und praktischen Erfahrungen mit Balkonkraftwerken besprochen wurden.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für das große Interesse und die angeregte Diskussion sowie bei unserem Referenten Ryck Purschke für den praxisnahen Einblick in seine Erfahrungen mit Balkonkraftwerken.