Nahwärme für Walstedde – gemeinsam in eine nachhaltige Energiezukunft

In Walstedde wird ein Nahwärmenetz geplant, das mehrere landwirtschaftliche Biogasanlagen mit den Gebäuden im Dorf verbindet. Ziel ist es, mit der vor Ort erzeugten Energie möglichst vielen Menschen eine zuverlässige und komfortable Wärmeversorgung zu ermöglichen.

Das Besondere: Die Wärme entsteht direkt in unserer Region und wird über ein gemeinschaftlich betriebenes Wärmenetz zu den angeschlossenen Häusern transportiert.

Woher kommt unsere Wärme?

Die Grundlage unseres Nahwärmeprojekts bilden fünf landwirtschaftliche Betriebe, die ihre Biogasanlagen miteinander verbinden. In diesen Anlagen werden organische Materialien wie landwirtschaftliche Reststoffe, Energiepflanzen und Gülle unter Luftabschluss vergoren. Dabei entsteht Biogas, das überwiegend aus dem energiereichen Gas Methan besteht.

Über mehrere Kilometer Gasleitungen wird das Biogas der fünf Höfe nach Walstedde transportiert. Dort wird es in einem leistungsstarken Blockheizkraftwerk (BHKW) zur Erzeugung von Strom und Wärme genutzt.

Strom und Wärme aus einer Energiequelle

Das Herzstück der Energieerzeugung ist ein Blockheizkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von rund 2 Megawatt (MW).

Vereinfacht gesagt funktioniert es ähnlich wie ein großer Dieselmotor, der einen Stromgenerator antreibt. Bei der Verbrennung des Biogases entstehen gleichzeitig zwei Energieformen:

  • Strom: Ein Teil der Energie wird in elektrische Energie umgewandelt und ins Stromnetz eingespeist.
  • Wärme: Die bei der Stromerzeugung entstehende Abwärme wird aufgefangen und für unser Nahwärmenetz nutzbar gemacht.

Das Besondere an diesem Konzept ist der sogenannte Spitzenlastbetrieb: Das Blockheizkraftwerk produziert Strom insbesondere dann, wenn die Nachfrage im Stromnetz hoch und die Strompreise entsprechend attraktiv sind. Da es nicht durchgehend läuft, muss die dabei erzeugte Wärme zwischengespeichert werden, bis sie im Dorf benötigt wird.

Ein großer Speicher für unsere Wärme

Damit die Wärme unabhängig von den Betriebszeiten des Blockheizkraftwerks zur Verfügung steht, ist ein großer Wärmespeicher vorgesehen.

Dieser besteht aus einem gut isolierten, siloartigen Behälter mit einem Fassungsvermögen von bis zu 3.000 Kubikmetern. Darin wird heißes Wasser beziehungsweise ein Wasser-Kies-Gemisch mit Temperaturen von bis zu 100 °C gespeichert.

Der Wärmespeicher funktioniert wie eine riesige Thermoskanne: Er nimmt die erzeugte Wärme auf und gibt sie bei Bedarf an das Nahwärmenetz ab.

Das Blockheizkraftwerk, die Gasleitungen und der Wärmespeicher werden von den Betreibern der Biogasanlagen errichtet und betrieben.

Wie kommt die Wärme zu den Häusern?

Hier kommt die Energienachbarschaft Walstedde ins Spiel.

Wir kaufen die erzeugte Wärme am Wärmespeicher ein und kümmern uns um ihre Verteilung an die angeschlossenen Haushalte und Gebäude. Dafür wird ein unterirdisches Nahwärmenetz aufgebaut.

Das Netz besteht aus gut isolierten Stahlrohren, die unter Straßen und Gehwegen verlegt werden. Über diese Leitungen wird das etwa 70 °C warme Wasser bis zu den einzelnen Hausanschlüssen transportiert.

So gelangt die Wärme direkt dorthin, wo sie gebraucht wird: in unsere Häuser, Wohnungen und sonstigen Gebäude.

Wärmeübergabe im eigenen Haus

In jedem angeschlossenen Gebäude wird eine Wärmeübergabestation mit einem Wärmetauscher installiert.

Dieser überträgt die Wärme aus dem Nahwärmenetz auf den vorhandenen Heizkreislauf des Hauses. Dabei bleiben beide Wasserkreisläufe vollständig voneinander getrennt. Das Wasser aus dem Nahwärmenetz gelangt also nicht in die Heizungsleitungen des Hauses – übertragen wird ausschließlich die Wärme.

Wärmetauscher arbeiten zuverlässig, sind wartungsarm und haben keine beweglichen Teile. Die Wärmeübergabestationen sollen voraussichtlich von der Genossenschaft bereitgestellt werden.

Für die angeschlossenen Gebäude bedeutet das: Eine eigene Heizungsanlage oder Wärmepumpe zur Wärmeerzeugung wird nicht mehr benötigt. Die Wärmeversorgung erfolgt zentral über das Nahwärmenetz. Die vorhandene Wärmeverteilung im Haus, beispielsweise über Heizkörper oder Fußbodenheizung, kann grundsätzlich weiter genutzt werden.

Auch die Warmwasserbereitung wird künftig über die Nahwärmeversorgung ermöglicht. Wie diese im Einzelnen umgesetzt wird, hängt von den jeweiligen Gegebenheiten im Gebäude und der konkreten Ausgestaltung der Hausinstallation ab.

Gemeinsam mehr erreichen

Das Nahwärmeprojekt ist ein Gemeinschaftsprojekt für Walstedde. Die landwirtschaftlichen Betriebe stellen die Energie und erzeugen die Wärme. Die Energienachbarschaft Walstedde übernimmt den Einkauf, die Verteilung und die Versorgung der angeschlossenen Gebäude.

So entsteht eine Verbindung zwischen Landwirtschaft und Dorfgemeinschaft, von der beide Seiten profitieren können.

Unser Ziel ist eine zukunftsfähige Wärmeversorgung für Walstedde – klimaneutral, regional erzeugt, gemeinschaftlich organisiert und direkt vor unserer Haustür.

Projektstatus und nächste Schritte

Abgeschlossen

Im November 2025 führte die Hochschule Hamm-Lippstadt (Werkbank Sektorenkoppelung) eine orientierende, anonyme Befragung zum Anschlussinteresse in Walstedde durch.

Zu den Ergebnissen

Einholung verschiedener Angebote für die Durchführung der erforderlichen Machbarkeitsstudie für ein Hochtemperaturwärmenetz.

Förderantrag an die NRW-Bank zur Finanzierung der erforderlichen Machbarkeitsstudie.

Erhalt des positiven Förderbescheids durch die NRW-Bank zur Finanzierung der Machbarkeitsstudie.

Beauftragung der Machbarkeitsstudie bei dem Planungsbüro ENWELO aus Steinfurt.

In Bearbeitung

Derzeit wird eine Machbarkeitsstudie für das geplante Nahwärmenetz erstellt. Darin werden unter anderem die technischen Möglichkeiten, die voraussichtlichen Kosten, die Wirtschaftlichkeit und die möglichen Anschlussbereiche untersucht.

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie werden am 19. November 2026 vorgestellt. Damit erhalten interessierte Bürgerinnen und Bürger einen ersten umfassenden Einblick in das geplante Projekt und seine Rahmenbedingungen.

Ausstehend

Im Anschluss an die Vorstellung der Machbarkeitsstudie möchten wir das Interesse der Walstedder Haushalte und Gebäudeeigentümer an einem Nahwärmeanschluss ermitteln.

Diese Interessenabfrage ist ein wichtiger Schritt für die weitere Planung. Denn erst wenn wir wissen, wie viele Haushalte und Gebäude sich einen Anschluss vorstellen können, lässt sich das Wärmenetz sinnvoll dimensionieren und die Wirtschaftlichkeit weiter beurteilen.

Die Interessenabfrage ist zunächst unverbindlich und stellt noch keine Verpflichtung zum späteren Anschluss dar.

Auf Grundlage der Machbarkeitsstudie und der Ergebnisse der Interessenabfrage können die nächsten Planungsschritte erfolgen. Dazu gehören die Konkretisierung des möglichen Leitungsnetzes, die endgültige Ermittlung der Anschlusskosten sowie die weitere Ausarbeitung des Betreibermodells.

Erst danach kann über die tatsächliche Umsetzung des Nahwärmenetzes entschieden werden.

FAQ

Keine Sorge. Ihre wichtigsten Fragen werden in Kürze hier beantwortet werden.